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Wetternews vom 28.10.2026


Kranichzug in Deutschland: Trockenheit leert wichtige Rastplätze

Am Himmel trompetet es wieder: Hunderttausende Kraniche ziehen derzeit über Deutschland nach Südwesten. Doch der Dürresommer hat Spuren hinterlassen. An wichtigen Rastplätzen im Binnenland wurden in diesem Herbst deutlich weniger Vögel gezählt als im Vorjahr. Das ruhige Hochdruckwetter der kommenden Tage dürfte den Zug noch einmal kräftig anschieben.

Weniger Vögel an den Schlafgewässern

Anfang Oktober meldeten Zählungen für Linum im brandenburgischen Rhin-Havelluch nur rund 10.600 bis 12.200 Kraniche, Ende September 2025 waren es dort über 56.000. In der Diepholzer Moorniederung in Niedersachsen wurden 10.099 Vögel gezählt, ein Jahr zuvor waren es fast 26.000. Als wahrscheinliche Ursache gilt die Trockenheit, denn die flachen Gewässer, in denen die Kraniche sicher vor Füchsen übernachten, fallen trocken. An der Darß-Zingster Boddenkette und auf Rügen lag der Bestand mit gut 23.700 Vögeln dagegen auf Vorjahresniveau.

Dürre setzt schon den Küken zu

Kranich-Experte Günter Nowald von Kranichschutz Deutschland weist darauf hin, dass die Brutgebiete von März bis Mai nass sein müssen. In trockenen Frühjahren sind die flugunfähigen Jungen Räubern schutzlos ausgeliefert. Weil Kraniche über 30 Jahre alt werden können, zeigen sich schlechte Brutjahre im Bestand oft erst Jahre später. Insgesamt bleibt der Kranich trotzdem eine Erfolgsgeschichte: In Deutschland brüten inzwischen mehr als 13.000 Paare, und im Herbst überfliegen mehr als 400.000 Vögel das Land.

Hochdruck bringt Rückenwind, Nebel bremst

Kraniche ziehen am liebsten bei Hochdruckwetter mit Wind aus nördlichen bis östlichen Richtungen, der sie Richtung Frankreich und Spanien trägt. Genau diese Lage bekommen wir: Nach der Kaltfront am Mittwoch setzt sich ab Donnerstag ein Hoch durch, bis Anfang November weht meist schwacher Nord- bis Ostwind bei 7 bis 14 Grad. Zäher Nebel am Morgen kann den Aufbruch aber verzögern. Die Hauptroute führt über Hessen, wo der NABU bis zu 250.000 Vögel erwartet. Am besten sieht und hört man die Kraniche am Nachmittag bis in die Dämmerung. An Rastplätzen gilt: mindestens 300 Meter Abstand halten.


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