Fast 300 km/h im Mittel: Über der Philippinensee hat sich Champi zum stärksten Wirbelsturm des Jahres 2026 aufgeschaukelt. Nach dem knappen Vorbeizug an Guam nimmt der Super-Taifun nun Kurs auf Taiwan und die Inseln südlich von Okinawa. Am Freitag dürfte er Taiwan am nächsten kommen. Ob das Zentrum die Insel trifft oder vorher nach Nordosten abdreht, ist allerdings noch offen.
Stärkster Wirbelsturm des Jahres
Am Dienstag erreichte Champi nach US-Maßstab, also im Einminutenmittel, Spitzenwinde um 296 km/h, der Kerndruck lag bei geschätzt 895 hPa. Damit übertrifft er beim Wind den bisherigen Jahreshöchstwert von Hurrikan Polo im Ostpazifik (285 km/h) und ist bereits der siebte Sturm der höchsten Kategorie 5 in diesem Jahr. Vietnams Wetterbehörde, die wie Japan mit Zehnminutenmitteln rechnet, nannte am Mittwochmorgen rund 210 km/h und 900 hPa. Angetrieben wird der Taifun von etwa 30 Grad warmem Meerwasser, feuchter Luft und kaum Windscherung. Dahinter steht auch der starke El Niño, der den Pazifik in diesem Jahr außergewöhnlich aufgeheizt hat. Guam war am Sonntag glimpflich davongekommen: Das Auge zog rund 16 Kilometer südlich vorbei, laut Gouverneurin Lou Leon Guerrero blieben die Schäden gering.
Taiwan bereitet sich auf Warnungen vor
Die taiwanische Wetterbehörde CWA ortete Champi am Dienstagnachmittag rund 1.536 Kilometer ostsüdöstlich der Südspitze Taiwans, er zog mit 23 km/h nach Westnordwest. Eine Seewarnung ist bereits für Mittwochabend möglich. Ob am Donnerstagabend auch eine Landwarnung für den Norden sowie die Kreise Yilan und Hualien folgt, hängt von der Zugbahn ab. Unabhängig vom genauen Kurs kommt der Sturm Taiwan nach CWA-Angaben von Freitag bis Samstagfrüh am nächsten. Der Regen erreicht am Freitag seinen Höhepunkt, im Norden und Osten drohen extrem starke Niederschläge, vor der Ostküste bis zu sechs Meter hohe Wellen. CWA-Meteorologe Tseng Chao-cheng zufolge ist ein Abdrehen nach Nordosten inzwischen wahrscheinlicher geworden. Die japanische Wetterbehörde erwartet Champi am Freitagmorgen südlich von Okinawa, wie es danach weitergeht, ist offen. Über kühlerem Wasser dürfte er sich aber etwas abschwächen.
Bei uns startet die Sturmserie
In Deutschland kommt der Taifun nicht direkt an. Wenn solche Stürme später in die Westwinddrift einschwenken, können sie allerdings über Tage auch die Großwetterlage über dem Atlantik umbauen. Unser Wetter wird ohnehin windig: Nach dem Regen am Mittwoch frischt der Südwestwind an der Nordsee schon in der Nacht zum Donnerstag stürmisch auf. Am Freitag erreicht uns Sturmtief Austen, das der britische Wetterdienst benannt hat, mit stürmischen Böen im Westen und Nordwesten, Sturmböen an der Nordsee und auf den Bergen und in exponierten Gipfellagen sogar möglichen Orkanböen. In den westlichen Mittelgebirgen können dazu 30 bis 40 Liter pro Quadratmeter Regen fallen. Am Sonntag, dem Tag der Zeitumstellung, folgt das nächste Tief, seine Stärke ist aber noch sehr unsicher.