Normalerweise beginnt die Weinlese in Deutschland Ende August oder erst im September. In diesem Jahr standen die ersten Leseteams schon in der zweiten Augustwoche in den Reben. Jetzt wird es noch einmal heiß, und zum Ende der Woche steigt die Gefahr schwerer Gewitter – mit Hagel und Starkregen über den Weinbergen im Südwesten.
Lese im Hochsommer statt im Frühherbst
Das Deutsche Weininstitut meldete am 18. August den Lesebeginn in der zweiten Augustwoche – rund eine Woche früher als im Schnitt der letzten fünf Jahre. Zuerst waren Baden und die Pfalz dran, mit frühreifen Sorten für Federweißer und Sektgrundweine. Winzer Friedhelm Rinklin vom Kaiserstuhl sprach gegenüber der Presse vom frühesten Start, den er erlebt habe. Der warme, sonnige Sommer hat die Reife beschleunigt, die Trockenheit hat die Beeren klein gehalten: außergewöhnlich süß und aromatisch, aber weniger saftig als in normalen Jahren.
Ab Montag zurück in die Wärme, dann die Kaltfront
Ab Montag dreht die Strömung auf Südwest und die Wärme kommt zurück. Bis Mittwoch erwarten wir in den Tieflagen der Südwesthälfte wieder Höchstwerte bis etwa 34 Grad, am Donnerstag im Süden 29 bis 36 Grad mit zeitweise starker Wärmebelastung. Gleichzeitig quellen von Südwesten die ersten Gewitterwolken auf: ab Mittwoch nimmt die Gewitterneigung im Westen zu, ab Donnerstag im ganzen Land. Eine schwere Gewitterlage zum Ende der Woche mit Starkregen, Sturmböen und Hagel ist nicht ausgeschlossen. Wie kräftig es wird, hängt am Timing der Kaltfront – und da sind die Modelle noch uneins.
Warum Hagel jetzt besonders weh tut
Für die Winzer ist der Zeitpunkt der ungünstigste, den es gibt. Trauben mit hohen Mostgewichten platzen bei Starkregen leichter auf, in warmer, feuchter Luft folgt die Fäulnis binnen Tagen. Hagel schlägt die Beeren direkt weg – anders als beim Getreide gibt es in dieser Saison keine zweite Chance. Laut Deutschem Weininstitut haben lokale Hagelschläge in Pfalz, Baden und Württemberg in diesem Sommer bereits erhebliche Schäden in einzelnen Lagen angerichtet. Zur Erntemenge hält sich der Weinbauverband Württemberg noch zurück, am Kaiserstuhl rechnet man mit 10 bis 20 Prozent weniger als im Vorjahr.