Der Herbst beginnt, doch die Körbe bleiben leer: Nach dem zweitwärmsten und einem der trockensten Sommer seit 1881 findet sich in vielen deutschen Wäldern kaum ein Steinpilz. Das Pilzgeflecht im Boden lebt weiter, für Fruchtkörper fehlt aber das Wasser. Und unser Hoch bringt bis Montag keinen Regen in der Fläche. Die Saison verschiebt sich nach hinten.
50 Liter Regen, dann zwei Wochen warten
Pilze wachsen nicht nach einem kurzen Schauer. Der Vogtländer Pilzsachverständige Steffen Schmidt nennt in der Volksstimme eine einfache Faustregel: Rund 50 Liter pro Quadratmeter müssen den Waldboden durchfeuchten, etwa 14 Tage später erscheinen die Fruchtkörper. Genau daran hat es 2026 gefehlt. Der Regen fiel kleinräumig, dazwischen blieben ganze Waldgebiete leer, und was aus dem Boden kam, trocknete bei Hitze schnell wieder ein. In Hessen fielen Pfifferlinge und Steinpilze bislang fast komplett aus, wie die Pilzberater Thomas Lehr aus Hofheim und Alex Maier aus Fulda gegenüber der hessenschau schilderten.
Unser Wetter bis Montag: sonnig, mild, trocken
Ein Hoch über Mitteleuropa bestimmt die kommenden Tage. Heute wechseln Sonne und Wolken bei 17 bis 22 Grad, am Freitag sind 17 bis 23, am Samstag 19 bis 24 und am Sonntag 20 bis 25 Grad zu erwarten, am Montag bis zu 26 Grad. Die Nächte werden mit 5 bis 12 Grad frisch, in den Flusstälern bildet sich Nebel, morgens liegt Tau auf dem Boden. Flächenregen ist bis Montag praktisch nicht in Sicht, erst am Dienstag steigt im Süden das Gewitterrisiko leicht an. Für den Waldboden bedeutet das: keine neue Feuchtigkeit, nur nächtliche Kühle.
Wo es sich trotzdem lohnt
Regional sieht es besser aus. In der Nordoberpfalz hat der Regen der vergangenen Tage die Saison angeschoben, dort wurden erste Pfifferlinge, Goldröhrlinge, Butterpilze, Krause Glucke und Steinpilze gefunden, wie der Pilzsachverständige Norbert Griesbacher dem Oberpfalzecho sagte. Er beobachtet, dass sich das Wachstumsmaximum immer stärker vom September in den Oktober verlagert. Auch der Norden, wo Anfang September ergiebiger Regen fiel, hat Chancen. Wer sammelt, sollte Zweifelsfälle von einem Pilzsachverständigen prüfen lassen. Adressen führen die mykologischen Gesellschaften.