Im Hochschwarzwald versiegen Quellen, die seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten Wasser lieferten. In einem hessischen Dorf fährt der Tankwagen an schlechten Tagen bis zu sechsmal. Nach dem dritten zu trockenen Halbjahr in Folge steht das Grundwasser vielerorts auf Rekordtiefstständen - und die Gewitter dieser Woche ändern daran erschreckend wenig.
Wenn der Tankwagen die Quelle ersetzt
In Nordeck, einem Ortsteil des mittelhessischen Allendorf (Lumda), reicht die Schüttung der Quelle "Hoher Stein" nicht mehr aus. Bürgermeister Sebastian Schwarz berichtete dem Stadtparlament von vier bis sechs Fahrten täglich mit jeweils 15.000 Litern; das Quellniveau sinke seit zehn Jahren, im Herbst soll saniert werden. Im Hochschwarzwald ist die Lage ähnlich: Feldbergs Bürgermeister Johannes Albrecht sagt, dass über Jahrzehnte oder Jahrhunderte genutzte Quellen derzeit am Versiegen seien. Der Versorger Badenova hält ein lebensmittelgeeignetes Tankfahrzeug mit rund 30.000 Litern bereit - laut Netzfachmann Simon Herrmann eine "absolute Notmaßnahme".
Grundwasser unter den Marken von 30 Jahren
Die Zahlen dahinter sind eindeutig. Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg liegen inzwischen 52 Prozent der Messstellen unter dem Normalbereich, Anfang Juli waren es 36 Prozent. An jeder vierten Messstelle wurden die bisherigen August-Tiefstwerte der letzten 30 Jahre unterschritten, seit Ende Juni gab es keine nennenswerte Sickerwasserbildung mehr. In Bayern zeigten zum Stichtag 21. August 81 Prozent der oberflächennahen Messstellen und Quellen niedrige bis sehr niedrige Verhältnisse, 76 Prozent der tieferen Stockwerke ebenfalls, 10 Prozent meldeten neue Niedrigstwerte. Die öffentliche Versorgung ist gewährleistet, doch viele Versorger rufen zum Sparen auf, München hat seit Mitte Juli eine Sparanordnung.
Warum Gewitterregen den Quellen kaum hilft
Am Donnerstagabend ziehen von Westen kräftige Gewitter auf, am Freitag drohen vor allem in der Südosthälfte schwere Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen. Danach wird es kühler und wechselhaft, in der ersten Septemberwoche fallen immer wieder Schauer bei 19 bis 28 Grad. Für die Quellen ist das jedoch kaum mehr als ein Tropfen: Fällt der Regen in kurzer Zeit auf verkrustete, ausgedörrte Böden, läuft er oberflächlich ab oder verdunstet, bevor er in die Tiefe sickert. Neues Grundwasser entsteht praktisch nur bei ergiebigem Landregen und geringer Verdunstung - und damit erst im Winterhalbjahr.