Der Sommer ist vorbei, seine Bilanz nicht. Das Robert Koch-Institut schätzt für Deutschland rund 16.300 hitzebedingte Sterbefälle - so viele wie in keinem Sommer seit Beginn der Auswertung 1992. Fast zwei Drittel davon fallen auf eine einzige Woche Ende Juni. Und der Berichtszeitraum läuft noch bis Ende September.
Woher die Zahl kommt
Im Wochenbericht zur hitzebedingten Mortalität vom 3. September nennt das RKI für den Sommer 2026 rund 16.300 hitzebedingte Sterbefälle, mit einem Unsicherheitsbereich von 14.900 bis 17.900. Die Daten reichen bis zur Kalenderwoche 34, denn die Sterbefallzahlen laufen mit etwa elf Tagen Verzug ein. Gezählt wird nicht auf Totenscheinen, sondern über ein Schätzmodell: Aus den Jahren 2016 bis 2025 wird abgeleitet, wie viele Menschen in einer Woche normalerweise sterben. Alles darüber in Wochen mit einer Mitteltemperatur über etwa 20 Grad gilt als hitzebedingt. "Hitze ist selten eine alleinige Todesursache. Doch wir beobachten an heißen Tagen deutlich höhere Sterbefallzahlen als üblich, vor allem unter älteren Menschen", sagt Dr. Matthias an der Heiden vom RKI.
Eine Woche Ende Juni reichte
Rund 9.600 der Fälle gehen laut RKI auf die Kalenderwoche 26 zurück, also auf den 22. bis 28. Juni. Weitere etwa 4.500 verteilen sich auf die Wochen von Ende Juli bis Mitte August. Das passt zur Sommerbilanz des Deutschen Wetterdienstes: 19,6 Grad im Mittel, der zweitwärmste Sommer seit 1881, rund 22 heiße Tage ab 30 Grad und fünf ab 35 Grad. Am 27. Juni fiel in Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt mit 41,8 Grad der deutsche Allzeitrekord, der alte Wert von 41,2 Grad aus dem Juli 2019 wurde um 0,6 Grad überboten. Eine Attributionsstudie des DWD kommt zu dem Ergebnis, dass eine Hitzewelle dieses Ausmaßes ohne den menschengemachten Klimawandel statistisch unmöglich gewesen wäre. Das höchste Risiko tragen Menschen über 85 Jahren.
Die Abkühlung kommt zu spät
Zum Vergleich: Die bisherigen Höchstwerte der Auswertung stammen aus 1994 und 2003 mit jeweils rund 10.200 geschätzten Fällen, im Hitzesommer 2018 waren es etwa 7.000. Der Wert von 2026 liegt also um die Hälfte über allem, was seit 1992 registriert wurde. Große Sprünge sind jetzt nicht mehr zu erwarten, denn die Hitzewochen sind vorbei: Im Süden bleibt es bis Montag mit 26 bis 32 Grad spätsommerlich, ab etwa dem 10. September stellt sich wechselhaftes Wetter mit nur noch 18 bis 22 Grad und einstelligen Nächten ein. Weil der Bericht aber bis Ende September fortgeschrieben wird, kann die Endzahl noch etwas steigen.