In Südtaiwan sind binnen drei Tagen fast 900 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen – mehr als beim verheerenden Taifun Morakot im Jahr 2009. Straßen brachen ein, tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Und die Lage bleibt angespannt: Ab Donnerstag zieht Taifun Saudel heran und trifft auf völlig durchnässte Hänge.
913 Millimeter in nur drei Tagen
Ein langsam ziehendes Tiefdruckgebiet und eine kräftige Südwestströmung haben Taiwan seit dem Wochenende überflutet. An einer Messstation im Kaohsiunger Stadtbezirk Nanzih wurden 567 Millimeter in 24 Stunden gemessen, über drei Tage summierten sich 913 Millimeter – nach Behördenangaben ein historischer Rekord. Die Stadtverwaltung von Kaohsiung rechnet für die gesamte fünftägige Regenperiode mit mehr als 1.300 Millimetern. Das Central Emergency Operation Center meldet einen Toten in Tainan, vier Vermisste und 155 Verletzte, 4.263 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Die Wasserbehörde zählte landesweit 395 Überflutungsmeldungen.
Das Gebirge als Regenverstärker
Solche Mengen entstehen auf Taiwan fast immer im Zusammenspiel von Monsunströmung und Topografie. Feuchtwarme Luft wird gegen das Zentralgebirge gedrückt, das bis knapp 4.000 Meter aufragt, und dabei zum Aufsteigen gezwungen – der Regen fällt dann über Stunden am selben Hang. Weil sich das Tief kaum verlagerte, blieben die Regenbänder tagelang an Ort und Stelle. Genau dieses Muster machte 2009 auch Morakot so verheerend, der nach offiziellen Angaben rund 700 Menschen das Leben kostete. Ist der Boden gesättigt, läuft jeder weitere Liter oberflächlich ab, und Erdrutsche sowie Schlammströme werden zur größten Gefahr.
Saudel trifft auf gesättigte Böden
Taifun Saudel stand am Dienstagmorgen rund 980 Kilometer östlich von Taipeh und zog mit 18 Kilometern pro Stunde nach Westnordwest. Die taiwanische Wetterbehörde CWA gibt die anhaltenden Windgeschwindigkeiten mit etwa 155 Kilometern pro Stunde an, der Sturm schwächt sich also ab und dürfte nördlich an der Insel vorbeiziehen. Trotzdem drohen ab Donnerstagabend im Norden und in den Bergen Zentraltaiwans erneut sehr große Regenmengen samt Sturmböen. Danach nimmt Saudel Kurs auf die chinesische Provinz Fujian. Für das östliche Ostchinesische Meer gilt eine orange Wellenwarnung mit sieben bis zwölf Metern Wellenhöhe.