Anfang April stand der Edersee mit rund 194 Millionen Kubikmetern fast randvoll. Fünf Monate später sind daraus 28 Millionen geworden – gerade einmal 14 Prozent. Die versunkenen Dörfer des „Edersee-Atlantis" liegen frei, die Oberweser bekommt kaum noch Stützwasser. Und der Regen dieser Woche zielt am Einzugsgebiet vorbei.
Von 97 auf 14 Prozent in fünf Monaten
Am 4. April erreichte der Edersee mit 193,67 Millionen Kubikmetern seinen Jahreshöchststand, das sind rund 97 Prozent des Stauraums von 199,3 Millionen Kubikmetern. Am Mittwoch weist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Weser nur noch 220,33 Meter über Normalnull und 28,33 Millionen Kubikmeter aus, also 14,2 Prozent. Bis zum Vollstau bei 244,97 Metern fehlen fast 25 Meter. Der Mindestinhalt der Talsperre liegt bei 20 Millionen Kubikmetern – viel Luft nach unten bleibt damit nicht.
Die Weser hängt am Edersee
Die Talsperre ist kein Badesee, sondern Wasserspeicher für Weser und Mittellandkanal. Ende Juli fiel der Inhalt unter die kritische Marke von 40 Millionen Kubikmetern, daraufhin wurde die Abgabe von zeitweise fast 40 auf 6 Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt. Bei 29 Millionen Kubikmetern folgte in Abstimmung mit dem Regierungspräsidium Kassel die Mindestabgabe von 3 Kubikmetern pro Sekunde. Auf der Oberweser zwischen Hann. Münden und Minden ruht seither die Ausflugsschifffahrt. Die Edersee Marketing GmbH meldete zudem deutlich rückläufige Urlaubsbuchungen, ein Segelschulbetreiber der Region rund 50 Prozent Umsatzverlust im zweiten Jahr in Folge.
Regen fällt – aber im Norden
Von Donnerstag bis Samstag ziehen Regenfronten über die Nordhälfte. Am Freitag sind dort örtlich 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter in sechs Stunden möglich, dazu kommen stürmische Böen an den Küsten und einzelne kräftige Gewitter. Das Eder-Einzugsgebiet in Nordhessen liegt nur am Rand dieser Fronten, dort bleibt es bei Schauern. Entscheidend ist ohnehin das Winterhalbjahr, denn erst wenn Verdunstung und Vegetation ruhen, füllt sich der Speicher wieder. Der Regionalverband Eder-Diemel rechnet vor, dass sich der See früher etwa 3,5-mal pro Jahr füllte, zuletzt nur noch rund 1,8-mal.